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Nachgang Symposium

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Nachgang Symposium

Ein Nachgangsbericht zum ersten Norddeutschen CRPS-Symposium in Bremen am 8.11.2014

von Brigitte Liebheit

Nachdem die GdL alles getan hatte, um eine Anreise per Bahn durch den Streik zu verhindern, war es erstaunlich, wie viele Menschen den Weg ins Rote Kreuz Krankenhaus gefunden hatten. Schon im Vorraum herrschte ein reges Treiben, bekannte Gesichter, aber auch viele Neue. Der Seminarraum selbst war dann fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Nicht nur Betroffene und Angehörige, sondern auch viele Physio- und Ergotherapeuten und sogar Ärzte füllten den Raum, 150 Personen. Organisatorisch gut durchgeplant wurde das Symposium von Frank Bergs und Dr. Ulma eröffnet. Der erste Vortrag von Dr. Andreas Binder über die Pathophysiologie des CRPS fasste den Stand der Forschung über die möglichen Ursachen von CRPS zusammen. Neu für mich war z.B., dass im MRT Veränderungen im Cortex nachzuweisen sind. Auch von IRAM als Hypothese (Injury-triggert, regionally- restricted, antibody-mediated with a minimal restricted cause) hatte ich noch nichts gehört. Das das sympathische System mehr oder weniger Einfluss hat, weiß ich daher, da bei mir Sympathikus Blockaden immer gut gewirkt haben – bis vor kurzem. Interessant war aber, dass keine Einigkeit weltweit über Studien besteht. Daher sind in den USA z.B. andere Meinungen momentan eher im Vordergrund. Leider lassen sich alle theoretischen Modelle zur Entstehung von CRPS nur im geringen Maße in der Therapie umsetzen. So führten die folgenden Vorträge von Dr. Brockmöller, Dr. Schulzeck und Dr. Gleim im weiteren aus, wie Diagnostik und Therapie bei CRPS aussieht. Neu war hier nichts für mich, manche Fragen, z.B. ob CRPS springen kann oder ob es ein CRPS ohne Schmerz gibt, wurden kontrovers besprochen. Da die Vorgänge beim CRPS nicht erklärt werden können, kann man hier nur antworten: ja, dass gibt es, denn wir kennen Patienten, die das erleben.
Schwierig fand ich auch das Thema Diagnostik. Sollte man ein Skelettszintigramm lassen machen? Es kann sein, dass das auch nichts anzeigt! Es wurde von einem multifaktoriellen Geschehen mit heterogenen Pathomechanismen gesprochen: Syndrom vs. Krankheitsbild. Also: die Diagnose kann umstritten sein, wenn man nicht der „klassische Fall“ ist!
Besonders hellhörig wurden alle, als bei „Therapieresistenz“ von den psychischen Faktoren die Rede war: Es scheint doch immer sehr einfach, wenn man nicht weiter weiß, die Psyche ins Spiel zu bringen. Besonders bei Kindern wurde dieser Faktor betont. Der Vortrag zur Schmerzpsychotherapie fiel dann doch dem Bahnstreik zum Opfer.
Manche Vorträge brachten wenig Neues, bei manchen Vortragenden standen lange, unnötige Erklärungen auf dem Programm. Ich konnte nicht nachvollziehen, was uns die quantitative sensorische Testung (QST) bringen soll.
Das Highlight des Tages war für mich der Vortrag von Herrn Dr. Krimhoff vom MdK in Bremen. Eine Reha bei CRPS ist sinnvoll und notwendig und damit unumstritten. Diesen Satz hörten wir alle gerne, entspricht er doch nicht der Realität bei der Bewilligung von Rehamaßnahmen. Ich klage gegen die Rentenversicherung seit 1 1⁄2 Jahren. Auch die weiteren Ausführungen von Dr. Krimhoff machten uns sprachlos. Gerne hätte wir alle ihn als Mitarbeiter des MdK in unseren Verfahren. Schade, dass nicht mehr Mitarbeiter des MdK diesen Vortrag hörten.
Die Vorträge der Physiotherapie und auch der chinesischen Medizin konnten mich kaum überzeugen. Ich empfand sie als hilflos (Physiotherapie) und nicht das Thema treffend ( TCM). Auch wurde der Tag langsam lang und das zuhören anstrengend. Gute Gespräche fand ich am Rande des Symposiums. Ich lernte nette Leute kennen und der Abend klang dann bei einem Essen einiger Betroffener aus.

Ich danke allen, die mitgeholfen haben, dieses Symposium zum Erfolg zu tragen. Ich habe einen tollen Tag erlebt, Informationen getankt und gesehen, dass sich in Deutschland endlich etwas zum Thema CRPS tut. Weiter so!

(Quelle: Brigitte Liebheit berlin@sudeckselbsthilfe.eu; erstellt am 14.11.2014)