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Schlagwort: einer Facharztüberweisung und dem Einholen einer Zweitmeinung beachten sollten

Arzt wechseln: Geht das so einfach?

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Arzt wechseln: Geht das so einfach?

Was Sie bei einem Hausarztwechsel, einer Facharztüberweisung und dem Einholen einer Zweitmeinung beachten sollten

 Gutes Verhältnis: Der Patient muss Vertrauen zu seinem Arzt haben

Gutes Verhältnis: Der Patient muss Vertrauen zu seinem Arzt haben

Als Werner Hofer vor drei Jahren von Hamburg nach Berlin zog, wo seine Tochter lebt, musste er sich zwangsläufig einen neuen Hausarzt suchen – und wurde schnell fündig. Eine Praxisgemeinschaft, zu der auch ein Internist gehört, und das ganz in der Nähe seiner neuen Wohnung. Für den Rentner, der unter einer Herzinsuffizienz leidet und deshalb nicht mehr so gut zu Fuß ist, zwei schlagkräftige Argumente.

Arztwechsel trotz Vertrag möglich?

Lange fühlte er sich dort gut aufgehoben. Doch dann diagnostizierte sein Arzt einen harmlosen grippalen Infekt, der sich aber zu einer schweren Lungenentzündung auswuchs. Werner Hofer glaubt nicht einmal, dass der Arzt wirklich einen Fehler gemacht hat, aber trotzdem „ging dadurch mein Vertrauen in ihn verloren“, sagt er. Deshalb möchte Hofer jetzt zu einem anderen Hausarzt wechseln, den ihm Bekannte wärmstens empfohlen haben. Aber geht das überhaupt? Und wenn ja, was muss man dabei beachten?

Mit diesen Fragen wird Claudia Schlund von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) häufiger konfrontiert. „ Beim Thema Arztwechsel herrscht bei manchen Patienten große Unsicherheit, nicht zuletzt bedingt durch die Hausarztverträge, die die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten seit 2009 anbieten müssen“, meint Schlund.

Freie Arztwahl gesetzlich verankert

Dabei ist die Gesetzeslage zunächst eindeutig, denn in Deutschland besteht das Recht auf freie Arztwahl. Das heißt, jeder bei den gesetzlichen Krankenkassen versicherte Patient darf sich unter den niedergelassenen Hausärzten den aussuchen, zu dem er gehen möchte. Und er darf den Arzt jederzeit wechseln, auch im Quartal, „ohne dafür Gründe angeben zu müssen“, wie Claudia Schlund betont. All das gilt gleichermaßen für Privatversicherte. Schlund rät allen Patientinnen und Patienten, bei Bedarf von diesem Recht Gebrauch zu machen. „Vertraut man dem Arzt nicht oder nicht mehr, macht es keinen Sinn, weiterhin zu ihm zu gehen“, sagt sie. „Denn ohne gegenseitiges Vertrauen ist der Behandlungserfolg gefährdet.“

Nimmt der Patient an einem Haus- oder Primärarztmodell teil, wird das Wechseln komplizierter. Bei diesem Versorgungskonzept, das die gesetzlichen Krankenkassen seit Juni 2009 in ihrem Angebot haben müssen, fungiert ein Arzt als erster Ansprechpartner und Lotse durch den Dschungel des Gesundheitswesens. Dieser Primärarzt bleibt zwar weiterhin frei wählbar. „Wer einen Hausarztvertrag unterschreibt, verpflichtet sich aber gegenüber der Krankenkasse, für eine bestimmte Laufzeit immer zuerst zu diesem Arzt zu gehen“, erläutert die Patientenberaterin. Im Gegenzug können die Kassen dem Versicherten Sonderleistungen und Prämien anbieten. Auch bei den Privaten ist die Hausarztvariante günstiger als die normale Krankenversicherung.

Im Vertrag auf Kündigungsfristen achten

Die Laufzeiten liegen je nach Krankenkasse zwischen einem und drei Jahren. Genaueres steht im Vertrag. Ebenso wie die Kündigungsfristen, die – will man aus dem Programm aussteigen – unbedingt beachtet werden sollten, denn sonst verlängert sich die Laufzeit automatisch. Den Primärarzt im Zeitraum der Vertragsbindung einfach wechseln, dürfen die Teilnehmer nicht. Beziehungsweise nur, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Dazu zählen die Kassen zum Beispiel den Umzug der Arztpraxis oder des Versicherten selbst.

Was aber, wenn Patient oder Patientin sich beim erwählten Arzt einfach nicht gut aufgehoben und behandelt fühlt? In diesem Fall rät Claudia Schlund, sich an die Krankenkasse zu wenden. „In der Regel findet sich eine Lösung“, sagt sie. „Schließlich ist mangelndes Vertrauen auch eine wichtige Begründung für einen Arztwechsel.“ Bedingung ist allerdings, dass der neue Arzt ebenfalls einen Vertrag mit der Kasse des Patienten hat.

Patient hat Recht auf Herausgabe der Krankenakte

Um eventuelle Komplikationen zu vermeiden, empfiehlt die unabhängige Patientenberatung, beim Wechseln des Hausarztes sämtliche Unterlagen über Vorerkrankungen und frühere Untersuchungen am besten selbst mitzunehmen. Patienten haben generell Anspruch auf die Herausgabe ihrer Krankenakte, zumindest in Kopie. Der zweite Weg ist, den neuen Arzt zu bitten, die Unterlagen von der alten Praxis anzufordern. Manchmal wird dafür das schriftliche Einverständnis des Patienten gefordert, unbedingt nötig ist das aber eigentlich nicht.

Das Gebot der Freiheit gilt ebenso bei der Wahl eines Facharztes. Das wird schon daran ersichtlich, dass der Kranke nicht zu einer konkreten Person überwiesen wird, sondern vielmehr zu einem Arzt aus einer bestimmten Fachdisziplin. Personen ohne Hausarztvertrag, dürfen auch ohne Überweisung zum Facharzt gehen. Nimmt man an einem Versorgungsprogramm teil, ist der direkte Gang nur zu Vertretern einiger Disziplinen erlaubt – etwa zum Gynäkologen oder zum Augenarzt. Generell sind Hausärzte angehalten, ihren Patienten in einem Quartal nicht zwei Überweisungen für denselben Fachbereich auszustellen. Sollte das Verhältnis zu einem Facharzt so schlecht sein, dass eine optimale Behandlung dadurch unmöglich wird, gibt es aber auch hier Spielraum. Weil dann eine medizinische Notwendigkeit besteht, kann der Hausarzt eine weitere Überweisung ausschreiben.

Zweitmeinung ja, aber kein Ärztehopping

Ganz ähnlich verhält es sich, wenn der Patient eine Zweitmeinung einholen möchte. „Jeder Kranke hat das Recht, im Zweifelsfall zusätzlich zum behandelnden Arzt einen zweiten Arzt zu befragen“, sagt Claudia Schlund. Ein triftiger Grund sollte dann allerdings schon vorliegen, mahnt die Expertin. Dazu gehört, dass der Patient Zweifel hat, ob die Diagnose seines Arztes stimmt oder ob die Behandlungsmaßnahmen, die er vorschlägt, tatsächlich die richtigen sind. Insbesondere vor eventuell anstehenden Operationen möchten sich viele Menschen durch die Einschätzung eines zweiten Fachmanns absichern.

Maßgebliches Kriterium ist letztlich, dass der Patient sich bei therapeutischen Entscheidungen ausreichend beraten und dementsprechend sicher fühlt. „Wenn man dafür eine Zweitmeinung braucht, dann sollte man sie sich auch einholen“, sagt Schlund. Vom Ärztehopping rät sie allerdings dringend ab. Und dies nicht nur, weil das Gesundheitssystem durch die entstehenden Kosten unnötig belastet wird. „Fünf Meinungen von fünf Ärzten zu haben, hilft auch nicht weiter“, meint sie. „Oft weiß der Patient dann am Ende gar nicht mehr, was er tun soll.“

(Quelle: Ulrich Kraft / www.apotheken-umschau.de; erstellt am 28.10.2014; Bildnachweis: Digital Vision/RYF)